Ratgeber Diabetes
Informationen für Betroffene und Angehörige
Therapie
Bei guter Einstellung der Diabetes Werte wie Blutzucker und HbA1c-Werte, kontinuierlicher Kontrolle der Werte und regelmäßigen Arztbesuchen, können an Diabetes Erkrankte ein relativ normales Leben ohne große Einschränkung der Lebensqualität führen. Schulungen der Betroffenen und eventuell ihrer Angehörigen sowie eine geregelte Lebensweise sind wichtiger Bestandteil einer guten Diabetes Therapie.
Behandlung des Diabetes Typ 1
Da bei Typ-1-Diabetikern ein absoluter Insulinmangel vorliegt, was auf die mangelnde oder ausbleibende Produktion der Bauchspeicheldrüse von Insulin zurückzuführen ist, muss Insulin von Anfang an lebenslang gespritzt werden. Das fehlende Hormon ist lebensnotwendig, durch seine Injektion kann Diabetes nicht geheilt werden kann. Es kann lediglich ersetzt werden.
Da das Eiweiß des Insulins durch die Magensäure zerstört würde, kann man Insulin nicht als Tablette einnehmen, sondern muss diese Substanz spritzen. Es gibt die Möglichkeit, das Insulin mindestens viermal täglich mit einer Spritze oder einem Pen – der Pen sieht aus wie ein dicker Kugelschreiber und erleichtert die Injektion des Insulins – oder durch kontinuierliche Infusion mit einer Insulinpumpe zu verabreichen.
Die Menge des benötigten Insulins richtet sich nach dem aktuellen Blutzucker, der Menge der zugeführten Kohlenhydrate und nach der geplanten körperlichen Bewegung. Um ein fundiertes Hintergrundwissen über die Therapie mittels Insulin zu erreichen, ist es für Betroffene und Angehörige notwendig, an Schulungen teilzunehmen. Erfolgt die Insulinverabreichung nur unzureichend, besteht die Gefahr von Stoffwechselentgleisungen.
Die Lebensqualität der Diabetiker ist z.B. durch die Einführung sogen. Verzögerungsinsuline, die nach der Injektion verzögert Insulin von der Injektionsstelle an den Körper abgeben, deutlich erhöht. Durch die Kombination von langsam und schnell wirksamen Insulinen, kann der Blutzuckerspiegel heute gut kontrolliert werden. Außerdem ist dann eine ein- bis zweimalige Injektion ausreichend. Diabetiker müssen sich so in ihrem Tagesablauf nicht mehr nach starren Essenszeiten richten.
Die intensivierte Insulintherapie stellt ebenfalls eine Weiterentwicklung der Insulinpräparate dar. Hier passt der Diabetiker die Insulindosis ständig dem aktuellen Blutzuckerwert an. So können Betroffene ihre Mahlzeiten frei gestalten und auf erhöhte Blutzuckerwerte mit zusätzlicher Gabe von Normalinsulin nach einem Korrekturplan reagieren.
Therapie des Diabetes Typ 2
Im Vordergrund stehen bei der Behandlung des Diabetes Typ 2 eine geregelte Lebensweise, z.B. eine Umstellung der Ernährung auf fett- und kohlenhydratarme Ernährung und ballaststoffreiches Essen, eine Reduktion des Körpergewichts und vermehrte körperliche Bewegung sowie Alkohol- und Nikotinverzicht (Deutsche Diabetes Gesellschaft). Meist können die Patienten auf diese Weise jahrelang gut behandelt werden.
Ist diese Lebensumstellung nicht mehr ausreichend, so ist eine Therapie mit Tabletten (oralen Antidiabetika) oder auch eine Insulintherapie erforderlich. Nach einem geraumen Zeitraum ist die Zufuhr von Insulin nicht mehr zu umgehen.
Es darf jedoch nicht nur der Blutzucker normalisiert werden, eine Behandlung der Typ-2-Diabetiker muss nach der Deutschen Diabetes Gesellschaft auch die Therapie des Bluthochdrucks, der Blutfette and anderer Störungen umfassen, um Folgeerkrankungen an den großen Gefäßen zu verhindern.
Um Folgeerkrankungen zu vermeiden, sind für Typ-2-Diabetiker spezielle Diabetikerschulungen, in denen man ausführlich über die Erkrankung, die Therapiemöglichkeiten und das Leben mit Diabetes informiert wird, wesentlich.
Therapie des Diabetes mellitus im Kindes- und Jugendalter
Der Typ-1-Diabetes ist nach den ärztlichen Leitlinien („Diagnostik, Therapie und (…) im Kindes- und Jugendalter“, 2009) die häufigste Stoffwechselerkrankung im Kindesalter.
Da sich der kindliche Stoffwechsel rasant verschlechtern kann, soll demnach sofort nach Diagnosestellung mit der Therapie begonnen werden.
Im Durchschnitt ist eine mindestens 5-8-mal tägliche Blutzuckerkontrolle ratsam. Der Behandlungsstandard sollte nach den Leitlinien die intensivierte Insulintherapie sein. Es wird empfohlen, die Insulintherapie für jedes Diabetes Kind individuell auszurichten.
Der Diabetes Typ 2 hat an Häufigkeit gemäß den ärztlichen Leitlinien (2009) parallel zum Anstieg des Auftretens von Übergewicht und Adipositas (Fettleibigkeit) im Kindes- und Jugendalter rapide zugenommen.
Untersuchungen in Baden-Württemberg (2004) ergaben, dass der Typ-2-Diabetes in Deutschland bei 0-20-Jährigen mit einer Häufigkeit von 2,3 Kindern und Jugendlichen pro 100 000 auftritt.
Bei folgenden Risikofaktoren empfehlen die Leitlinien, ab dem zehnten Lebensjahr bei Vorliegen von Übergewicht und mindestens zwei der folgenden Risikofaktoren – z.B. Typ-2-Diabetes bei Verwandten 1. bis 2. Grades, Zugehörigkeit zu einer Gruppe mit erhöhtem Risiko (Ostasiaten, Afroamerikaner, Hispanier) und extremer Fettsucht (Adipositas) – einen oralen Glukosetoleranztest (Traubenzuckertoleranztest, s. Diagnose) durchführen zu lassen.
Eine Diabetesschulung stellt auch einen enorm wichtigen Bestandteil für die Diabetes Kinder und deren Angehörige dar. Eine Ernährungsberatung im Rahmen der Schulung ist ein wichtiger Teil des Therapieplanes.
Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes)
Die Behandlung des Schwangerschaftsdiabetes mit dem Ziel normaler Blutzuckerwerte, ist besonders wichtig, um Komplikationen bei Mutter und Kind zu vermeiden. So kann ein unzureichend eingestellter Diabetes in der Schwangerschaft z. B. zu einem übergroßen Fetus führen (Mediziner sprechen von Makrosomie).
Ist eine Ernährungsumstellung für die Normalisierung der Blutzuckerwerte nicht ausreichend, muss laut Diabetes heute Insulin gespritzt werden. Während einer Schwangerschaft sind Tabletten, wie orale Antidiabetika, nicht erlaubt, da sie das heranwachsende Kind schädigen können. Wird der Diabetes in der Schwangerschaft nicht behandelt, kann es zu Entwicklungsstörungen und Fehlbildungen oder sogar zum Tod des ungeborenen Kinds kommen.
Birgit Lindner