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Ratgeber Diabetes

Informationen für Betroffene und Angehörige

Diagnose des Diabetes mellitus

Ärztliche Untersuchungen zur Diagnose von Diabetes

Zur Prävention von Diabetes sollte der Arzt alle drei Monate wichtige Werte die zur Diagnose von Diabetes nötig sind, wie:

  • Körpergewicht,
  • Blutzucker (nüchtern und nach dem Essen – medizinisch: postprandial),
  • Blutdruck und HbA1c-Werte

überprüfen.

Um mögliche Nierenschäden auszuschließen, ist ein Mikroalbumintest (Urinuntersuchung auf Eiweiße) zur Diagnose erforderlich.

Liegt bereits eine diabetische Nervenschädigung (Neuropathie) vor, ist aufgrund der Gefahr unbemerkt entstehender Geschwüre eine genaue Untersuchung der Füße unabdingbar.

Ein Mal im Jahr sollte mindestens die Bestimmung des Gesamtcholesterins, HDL- und LDL-Cholesterin, von Triglyceriden und Kreatinin im Serum (Nierenkontrolle) durch eine Laboruntersuchung überprüft werden. Die Untersuchung der Beingefäße, EKG und eine eingehende neurologische Untersuchung sollten ebenfalls einmal im Jahr überprüft werden. Im „Gesundheitspass Diabetes DDG“ werden all diese Untersuchungen dokumentiert.

Weiterhin kann es zur Diagnose von Diabetes notwendig sein, weitere Untersuchungen wie eine 24-Stunden-Blutdruckmessung oder einen Ultraschall des Herzens zu veranlassen. Eine jährliche Vorstellung beim Augenarzt dient der Vermeidung und der frühzeitigen Diagnose von Augenschäden.

Blutzuckerwerte

Als an Diabetes mellitus erkrankt gilt nach den ärztlichen Leitlinien (Definition, Klassifikation und Diagnostik des Diabetes mellitus), wer unabhängig von Alter, Geschlecht und klassischen Symptomen einen Gelegenheits-Blutglucosewert ≥200mg/dl (11,1 mmol/l) aufweist.

Werden im venösen oder kapillären Vollblut wiederholt Gelegenheits-Blutglucosewerte ≥ 200 mg/dl (11,1 mmol/l) bestätigt oder besser durch eine Nüchternglukose von ≥ 110 mg / dl (6,1 mmol/l) im kapillären Vollblut bzw. 126 mg / dl (7,0 mmol/l) im venösen Plasma oder beim oralen Glukosetoleranztest (OGGT) im venösen Plasma oder kapillären Vollblut ≥ 200 mg / dl (11,1 mmol/l) bestätigt, kann die Diagnose gestellt werden.

Oraler Glukosetoleranztest (Traubenzuckertoleranztest)

Liegen die Blutzuckerwerte im Grenzbereich, kann der Arzt zur Diagnose von Diabetes zusätzlich einen Glukosetoleranztest durchführen. Dabei nimmt der Arzt zunächst Blut ab, um den Blutzuckerspiegel zu bestimmen. Danach trinkt der Betroffene morgens in nüchternem Zustand (10-16 Stunden ohne Essen, Alkohol und Rauchen) 75 Gramm Glukose in 250 bis 300 ml Wasser gelöst. Diese Lösung muss er innerhalb von 5 Minuten langsam austrinken. Zwei Stunden danach nimmt der Arzt erneut Blut ab.

Nüchtern liegen bei gesunden Patienten die Glucosewerte im Blutplasma unter 100 mg/dl. Zwei Stunden nach dem Glucosetoleranztest betragen sie im Normalfall im Blutplasma unter 140 mg/dl. Von einer nicht normalen (abnormen) Nüchternglucose spricht man bei Werten von mehr als 100 – 125 mg/dl. Liegt der Wert nach zwei Stunden über 140 mg/dl bis maximal 199 mg/dl, liegt eine gestörte Glucosetoleranz vor.

Für die Diagnose Diabetes sprechen nach den ärztlichen Leitlinien „Definition, Klassifikation und Diagnostik des Diabetes mellitus“ (2005) folgende Werte:
Nüchternblutzucker im Blutplasma mindestens 126 mg/dl (7,0 mmol/l) und nach zwei Stunden (OGGT-2h-Wert) mindestens 200 mg/dl (11,1 mmol/l). Bei Schwangeren liegen die Grenzwerte für den oralen Glukosetoleranztest (OGGT) niedriger.

HbA1c-Wert

Dieser Wert gibt dem Arzt die Möglichkeit, den Zuckerstoffwechsel über einen längeren Zeitraum zu betrachten. Er steht für die Menge des mit Glucose verbundenen roten Blutfarbstoffs, der bei Gesunden bei 20 bis 42 mmol/l liegt. Er hängt direkt vom Blutzucker ab. Somit kann der Arzt den Blutzuckerspiegel der letzten acht bis zwölf Wochen beurteilen. Bei einer gut verlaufenden Therapie der Symptome von Diabetes mellitus liegt der Wert zwischen 48 bis 53 mmol/l.

Selbstkontrolle

Zur regelmäßigen und systematischen Kontrolle des Stoffwechsels ist Selbstkontrolle für Diabetiker wesentlich.
So können Stoffwechselentgleisungen frühzeitig erkannt und behandelt werden. Auch dem Arzt liegen auf diese Art durch die Beobachtung der Diabetes Werte über einen längeren Zeitraum Entscheidungshilfen für die Betreuung der Betroffenen vor.

Folgende Parameter können selbst kontrolliert werden:
• Körpergewicht
• Blutdruck
• Urinuntersuchung auf Glukose
• Blutzuckerkontrolle
• Urinuntersuchung auf Aceton

Glukose im Urin (Glucosurie)

Ab einem Blutzucker von 180 mg/dl wird die Nierenschwelle von Glukose überschritten und der Körper scheidet überschüssige Glukose im Urin aus. Eine erhöhte Ausscheidung von Glukose im Harn, d.h. eine Glukosurie, deutet auf Diabetes mellitus hin. Bei Schwangeren ist die Nierenschwelle etwas niedriger.

Die erhöhte Glucoseausscheidung im Urin kann mithilfe von Glukose-Teststreifen nachgewiesen werden.
In der Schwangerschaft gesunder Frauen kann es ebenfalls zur Ausscheidung geringer Mengen von Glukose im Urin kommen. Der Arzt schließt dann durch weitere Untersuchungen einen Schwangerschaftsdiabetes aus.

Aceton im Urin

Die Untersuchung des Urins auf Aceton zur Diagnose von Diabetes ist notwendig, um Stoffwechselentgleisungen frühzeitig zu diagnostizieren. Aceton entsteht, wenn statt der Kohlenhydrate (Zucker) Fette zur Energiegewinnung abgebaut werden müssen. Bei starkem Insulinmangel kommt es zu einer beginnenden Stoffwechselentgleisung mit der Ausscheidung von Aceton. Für die Acetonbestimmung gibt es ebenfalls Teststreifen.

Folgekrankheiten und Komplikationen

Nach Diabetes Deutschland lassen sich ca. 80% aller Todesfälle bei Diabetikern auf eine fortgeschrittene Herz- Kreislauferkrankung mit Folgen eines Herzinfarktes oder Schlaganfalls zurückführen.

Im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ist nach dem Statistischen Bundesamt (1999) bei Diabetikern das Risiko für

• einen Herzinfarkt um das 2-3fache,
• einen Schlaganfall um das 2-3fache,
• Augenerkrankungen mit Erblinden um das 10-25fache,
• ein Nierenversagen um das 15-20fache und
• eine Beinamputation um das 25-fache

erhöht.

Übergewichtige Typ 2 Diabetiker mit dauerhaft erhöhten Blutzuckerwerten und zusätzlichem Bluthochdruck, kombiniert mit einer Fettstoffwechselstörung, sind besonders betroffen.

Komplikationen

Da bei Insulinmangel kein Zucker mehr zur Energieversorgung in die Zellen gelangen kann, müssen im Notfall andere Energiequellen des Körpers genutzt werden. Es kommt zu einer starken Hyperglykämie (einem stark erhöhten Blutzucker), der bis hin zum diabetischen Koma führen kann. Insbesondere die Fettdepots werden dann zur Energiegewinnung genutzt und so bis zur Stufe der Ketonkörper abgebaut. Durch eine Übermenge an Ketonkörpern übersäuert der Organismus, da der Körper diese nicht weiter abbauen kann. Anzeichen wie Müdigkeit, häufiges Wasserlassen (Polyurie), extremer Durst, Gewichtsverlust, Sehstörungen, trockene Haut und – bei schweren Stoffwechselentgleisungen – säuerlicher Mundgeruch nach Aceton, ähnlich einem Nagellackentferner, sowie Aceton im Blut, bemerken die Betroffenen jedoch bereits zuvor.

Ein solches Koma wird meist durch Diätfehler mit zu vielen Kohlenhydraten, durch Infekte oder durch falsche Dosierung bei Insulin spritzenden Diabetikern verursacht.

Wenn blutzuckersenkende Medikamente, vor allem Insulin, überdosiert werden oder zu wenig Nahrung aufgenommen wird, kommt es zu einem zu niedrigen Blutzuckerspiegel, einer sogen. Hypoglykämie.
Ja nach Schwere der Hypoglykämie reichen die Symptome von leichten Beeinträchtigungen bis hin zur Bewusstlosigkeit.

Folgeerkrankungen oder diabetische Spätschäden

Um diese Komplikationen zu vermeiden, ist es immens wichtig, den Blutzucker regelmäßig zu kontrollieren und nahe dem Normwert einzustellen. So kann man Komplikationen wie eine Hypoglykämie (Unterzuckerung) oder eine Hyperglykämie (Überzuckerung) vermeiden und zudem auch diabetische Spätfolgen wie Augenkrankheiten (Retinopathie), Nervenschädigungen (Polyneuropathie), Nierenerkrankungen (Nephropathie) und Gefäßverkalkungen (Arteriosklerose) hinauszögern oder eventuell sogar ganz vermeiden.

Birgit Lindner

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  • Kaiserschnitt erhöht das Risiko für Typ 1 Diabetes 21.02.2012
    Per Kaiserschnitt entbundene Kinder haben einer Studie zufolge ein mehr als doppelt so hohes Risiko, an Diabetes Typ 1 zu erkranken, als bei einer natürlichen Geburt zur Welt gekommene. Wissenschaftler der Forschergruppe Diabetes der TU München hatten in einer Langzeitstudie den Einfluss von Umweltfaktoren auf die Entwicklung der Erkrankung bei 1.650 Kindern aus Risikofamilien untersucht.